Seit dem 9. April 2014 steht das Internationale Congress Centrum in Berlin still.
 
Wir wollen das Gebäude als Zentrum für zeitgenössische Kultur reaktivieren: Aus dem ICC wird das ICCC, das International Center for Contemporary Culture.
 
Das ICC ist eine Dialogmaschine, ein Gesamtkunstwerk, ein architektonisches Statement und ein Versprechen für die Zukunft.
 
Eine sich immer schneller verändernde Gesellschaft und der immer raschere technische Fortschritt brauchen Räume, die dynamisch reagieren können. Das ICC hält solche Räume seit 1979 bereit. Wir schlagen eine neue, intelligente Kleinteiligkeit innerhalb der großen Raummaschine vor, die zum ursprünglichen Raumkonzept passt wie angegossen.
 
Nicht konservieren – sondern optimieren. Von seiner riesigen Aluminiumhülle bis zum inneren Leitsystem, den Türgriffen und Garderobenhaken: diese Architekturikone muss so vollständig und originalgetreu wie möglich bewahrt bleiben. Alle Eingriffe müssen im Geiste der Originalarchitektur geschehen – mit demselben Erfindungsreichtum und derselben Innovationskraft.
 
Das ICCC wird ein lebendiger, offener Ort. Wir wollen es gemeinsam mit der Stadt Berlin sowie Investoren entwickeln und ein diverses Netzwerk an Menschen aktivieren, die an den Schnittstellen von Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft, Alltagskultur, Medien und Wirtschaft arbeiten. Durch das Zusammenführen dieser Kräfte wird das ICCC zum dynamischen Zukunftslabor für uns alle: ein Zentrum für zeitgenössische Kultur und soziale Innovation.
 
Wir ermöglichen eine flexible Nutzung für den kreativen und künstlerischen Dialog: Kongresse, Präsentationen, Veranstaltungen, Laborpraxis und Ausstellungen; Arbeitsräume, Ateliers und Studios für die kreative Arbeit in vielen Bereichen, in unmittelbarer Kombination mit Hotel und Gastronomie. Denn neben einem technischen Update braucht das ICCC vor allem eines: Ein klares, thematisches Profil als herausragendes, übergeordnetes Statement der Hauptstadt, das aus der Ästhetik des ICC entsteht.

Wir sind eine Gruppe von Menschen aus der Kultur und Architektur, die mit Neugierde, Begeisterung und kritischer Haltung seit 2013 an einem neuen Nutzungskonzept für das ICC arbeiten. Bureau N (Silke Neumann), Julia Albani, Florian Heilmeyer und Something Fantastic (Elena Schütz, Julian Schubert, Leonard Streich), gemeinsam mit einem breiten, nationalen und internationalen Netzwerk aus Kunst, Kultur und Architektur.

Fotografischer Rundgang:

Analyse

Das Internationales Congress Centrum Berlin (ICC Berlin) ist eine futuristische Maschine, ein flexibel nutzbares Raumschiff, silbern leuchtend mitten im Infrastrukturknoten zwischen Avus, Ringbahn und Stadtautobahn. Entworfen haben es die Architekten Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler. Baubeginn war 1975, am 2. April 1979 wurde das 313 Meter lange, 89 Meter breite, 40 Meter hohe Kongresszentrum eröffnet. Es ist nicht nur in Berlin, sondern weltweit einmalig. Eine bessere Harmonie zwischen der Sinfonie der Großstadt und der High-Tech-Architektur ist an dieser Stelle schwer vorstellbar.

Internationale und Berliner Verwandte

Sogar in seinem derzeit etwas ungepflegten Zustand und 40 Jahre nach seiner Eröffnung ist das ICC immer noch einen Höhepunkt des architektonischen High-Tech-Futurismus. Vergleichbare Gebäude finden sich nur international im Centre Pompidou (Paris, 1977), Lloyd’s Building (London, 1986), Sears Tower (Illinois, 1973) oder im Hearst Tower (New York, 2004). In Berlin ist es am ehesten mit den Ausnahmearchitekturen des Umlauftanks 2 (Tiergarten) und des Berliner Fernsehturms in eine Gruppe zu ordnen.

Der Fun Palace, geistiger Vorreiter, war ein Projekt des Architekten Cedric Price und der Regisseurin Joan Littlewood (1961). Es beschreibt eine vollständig flexible, kulturell genutzte Struktur, deren Inneres ständig verändert werden kann. Obwohl das Projekt nie realisiert wurde, hat es das Denken und die Vorstellungskraft von Architekten wie Richard Rogers, Norman Foster, Renzo Piano und Rem Koolhaas – und sicher auch Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte – maßgeblich beeinflusst.

Fotografischer Rundgang:

Das ICC ist ein Gesamtkunstwerk

Das ICC Berlin nimmt innerhalb dieser Gruppen eine absolute Ausnahmestellung ein. Erstens aufgrund seiner Dimensionen. Zweitens wegen seiner brillanten Verkehrsanbindung. Drittens wegen seiner genialen Konstruktionsweise: es ist die vielleicht weltweit größte „Haus-im-Haus-Konstruktion“ die dafür sorgt, dass das Innere des Gebäudes vollständig von Lärm und Vibrationen seiner Umgebung getrennt ist. Und viertens wegen seiner Ästhetik, die nicht nur nach außen Assoziationen an eine Maschine, ein Raumschiff oder einen Flughafen weckt – sondern die diese Assoziationen im Inneren bis ins kleinste Detail fortführt, von den Türen über das Leitsystem bis zu den Handgriffen und Garderobenhaken.

Zwei große Auditorien in den Obergeschossen: Saal 1 (5008 Plätze), Saal 2 (3520 Plätze), liegen um eine gemeinsame Mittelbühne. Die Bühne ist in der Höhe verstellbar, so dass beide Räume zusammen genutzt werden können. Die Sitztribüne in Saal 2 kann komplett in die Decke geklappt werden, so dass ein „Ballsaal“ entsteht = maximale Flexibilität. Die Foyer- und Erschließungsflächen im Gebäude sind enorm weitläufig. Das erzeugt einerseits ein angenehmes Gefühl beim „Flanieren“, andererseits sind nur ca 10-15% der Gesamtfläche einzeln nutzbare, „vermarktbare“ Räume (von ca. 200.000 qm BGF sind 30.000 qm für Kongresse nutzbar, Angaben laut Messe Berlin). Kosten: Das Haus war 2012 fast vollständig ausgelastet, immer noch mit großen Kongressen mit bis zu 20.000 Besuchern. Das ICC hat noch 2012 den höchsten Umsatz seiner Geschichte erzielt. Aber: Erheblicher Sanierungsstau vor allem in allen technischen Anlagen. Wartung und Betriebskosten 2012: 23 Millionen Euro. Geschätzte Sanierungskosten: 400 Millionen Euro. (Stand 2014)

Fotografischer Rundgang:

Die Ebenen

Betritt man das ICC, so gelangt man durch die großzügige Kassenhalle auf den von den Architekten angedachten Boulevard mit Info-Tresen, Sitzgruppen, Vitrinen und seitlich tiefer liegenden Garderoben. Die Fläche der Empfangsebene umfasst 3.587 qm. Im Mittelfoyer befindet sich der zentrale Treffpunkt mit Café/Bar mit einer markanten Skulptur, einer Lichtplastik von Frank Oehring, die sich durch drei Geschosse zieht. Sie symbolisiert die Netzwerkverbindung aller technischen Geräte des Gebäudes. Am südlichen Eingang des ICC liegt mittig die ICC Lounge, ein in sich abgeschlossener Raum mit einer Größe von 272 qm.

Vom Empfangsfoyer gelangt man über die seitlichen Treppenhäuser in die Galerieebene. Dort befinden sich 17 Tagungsräume, die durchschnittlich zwischen 35 – 45 qm groß sind und 10 bis 20 Personen Platz bieten. Die Räume sind kombinierbar und befinden sich im Ost- und Westbereich des Gebäudes. Sie haben nahezu alle Tageslicht und können unabhängig voneinander vermietet werden.

Über jeweils drei Rolltreppen im Ost- und Westteil sowie die große Haupttreppe gelangt man in die zweite Ebene, die Foyerebene, die sich durch großzügig angelegte Foyerflächen mit Sitzgruppen etc. auszeichnet. Die Bereiche sind in Mittel-, Ost- und Westfoyer aufgeteilt. Insgesamt hat man hier auf 3.216 qm flexibel nutzbaren, offenen Raum, welcher bisher als Ausstellungs- und Aufenthaltsfläche genutzt wird.

Es gibt in dieser Ebene mehrere Räume ohne Tageslicht: Der markante Saal 6 im Zentrum bietet bis zu über 200 Personen in parlamentarischer Atmosphäre Platz. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Säle 4/5 und 7, welche 260 qm umfassen und Platz für 270 Personen (Reihenbestuhlung) bieten, im nördlichen Teil liegen die Zugänge zum drittgrößten Saal des Gebäudes, Saal 3. Er bietet Platz für 800 Personen, mit fester Bestuhlung, und hat kein Tageslicht. Südlich des Mittelfoyers liegt Saal 8, der kein Tageslicht und eine Kapazität von bis zu 130 Plätzen auf 130 qm hat.

Einen Blick auf die Neue Kantstrasse bietet das Restaurant „Pullmann Lounge“. Direkt daneben befinden sich die vier Salons “Columbus”, ”von Stephan”, ”Lilienthal” und “Zeppelin” sowie auf derselben Ebene die über kurze Wege erreichbaren Salons “Koch”, “Langenbeck”, “Sauerbruch” und “Virchow“. Diese bieten zwischen 20 und 70 Personen Platz.

Bei Kombination von Saal 1, Bühne und Saal 2 ergibt sich eine Gesamtkapazität von 9.100 Plätzen. Im Saal 2 kann die Tribünenanlage an die Saaldecke gehoben werden. So wird aus dem Zuschauerraum eine 2.500 qm große Ebene für Ausstellungen, aufwendige Events und Festveranstaltungen, der sogenannte “Ballsaal”. Die doppelseitig bespielbare Bühne, die Verbindung zwischen Saal 1 und Saal 2 hat eine Größe von 770 qm und ist ca. 35 m breit. Saal 9 und Saal 10 liegen über dem Saal 8 und haben eine Größe von 170 qm. Das Dachgartenfoyer bietet mit 380 qm bis zu 306 Personen (Reihenbestuhlung) Platz, von hier gelangt man auf die Terrasse, wo man einen weiten Blick über Berlin hat.

Das dreigeschossige Brückenbauwerk bildet die Verbindung zum Messegelände, den Ausstellungshallen 14.2 und 15.2. Es bietet in der Foyerebene flexibel nutzbare Fläche (350 qm), auf der Salonebene 10 Tagungs- (30 qm) und Mehrzweckräume (110 qm). Auf der Saalebene befinden sich, abgehend von einem zentralen Boulevard, 10 Garderoben (mit individuellem Bad), Technik- und Besprechungsräume.

Das am südlichen Ende des Gebäudekomplexes gelegene, mehrgeschossige Parkhaus mit direkter Anbindung an die Autobahn bietet 650 Parkplätze.

Stimmen

Der Tagesspiegel lobte das ICC anlässlich seiner Eröffnung als ein „Superding“, eine „über den Globus reichende Berlin-Attraktion“.

„Dieser 2. April 1979 ist ein großer Tag für Berlin. Denn im Hinblick auf seine Bedeutung und technische Ausstattung sucht es in der Tat seinesgleichen.“ (Wolfgang Lüder, Bürgermeister von Berlin, Senator für Wirtschaft und Vorsitzender der „Ausstellungs-Messe-Kongress-GmbH”)

„Ich wünsche der Cheops-Pyramide große Standfestigkeit und eine lange Lebensdauer.” (Messe-Chef Manfred Busche zum zwanzigsten Jubiläum des Berliner Kongresszentrums.)

„Wir können mit diesem Haus nichts verdienen, Berlin allerdings kann viel gewinnen.“

(Die Geschäftsleitung der AMK)

 “What is needed is a vessel that represents, and is, part of our journey in to the future. A journey that takes us away from the conceit of human-centricity, fusing ecology with art, collective community and a more technologically-orientated, whole-systems consciousness. What better vessel for such an endeavour than the ICCC? A repurposed mothership for the merging of cultures as we head out into the fifth industrial age. The architecture of the ICC, with its form better suited to “space” than “sea”, is perfect for this voyage of understanding.” (Sophie Lovell, Design- und Architekturkritikerin)

„Das ICCC Zukunftslabor, ein Ort für Hacker, Maker, Fablabs, Start Ups: Berlin ist Standort der wissensgetriebenen Wirtschaft. Eine Dialogmaschine wie das ICCC, als eine Stadt in der Stadt wird gebraucht. Nebst Hauptveranstaltungssälen, sind es vor allem die generösen endlosen Zwischenräume, auf denen die Ideen diskutiert und weiterentwickelt sowie verbreitet werden könnten. Ein Zentrum für soziale Innovationen, ein Zukunftslabor, ein Ideenmarkt: Das Gebäude strotzt vor „Zukunftsoptimisums“, wo Berlin die Gesellschaft neu erfindet.” (Holm Friebe und Phillipp Albers, Autoren, Journalisten, Trendexperten, Gründer von Zentrale Intelligenz Agentur, Berlin.)

Das ICC muss im HEUTE ankommen und wahrgenommen, bzw. in Anspruch genommen werden. Das ICCC wird zur Freizone erklärt. Bevor es eine kuratorische Auswahl von Galerien, Hochschulen, White/Black Cubes, Konferenzen, Ateliers gibt, sollten die potenziellen Akteure ins Haus eingeladen werden und es selbst gemeinsam entdecken und definieren. Daraus resultieren würde ein künstlerischer Beirat, der die inhaltliche Linie des Hauses vertritt.” (Carson Chan, Architekturhistoriker, Kurator, und Direktor des Emilio Ambasz Institute for the Joint Study of the Built and Natural Environment, MoMA, New York City).

Das ICC ist frech. Es verfügt über eine enorme Gravitationskraft. Ein Raumschiff in besonderer Lage, zwischen intaktem Gründerzeitkiez mit Parkidyll (Lietzensee), Stadtautobahn, Ringbahn, Güterbahnhof Grunewald, ZOB und Messegelände. Das ICCC sollte namhafte Künstler und Kreative ins Haus holen, die ihre Ateliers oder Arbeitslaboratorien eröffnen und dem Haus eine Identität und einen Namen geben. Einjährige Künstlerresidenzen wie in der TATE Modern wären Beispielmodelle, wie das ICCC Jahr für Jahr eine neue künstlerische Auseinandersetzung und Bespielung durch einen / eine Künstler/in erhält.” (Jan Edler und Tim Edler, Architekten, Realities United, Berlin.)

„Eine baukulturelle Visitenkarte Berlins mit ikonischem Charakter. Damals wie heute war und ist es eine Art modernes Tor zur Stadt (…) ein qualitätsvolles baukulturelles Zeugnis der sogenannten Hightech-Architektur: beachtenswert in seiner Materialität, Konstruktion, technisch inspirierten Gestalt und nicht zuletzt in seinem authentischen Erhaltungszustand. Das ICC Berlin ist ein in Ästhetik und Funktion gleichermaßen programmatisches Bauwerk.” (Kerstin Wittmann-Englert, Professorin am Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik, Technische Universität Berlin)

„Denn das Bewusstsein für den Wert und die Bedeutung des Bauwerks ist in der Berliner Politik recht unterentwickelt. Nicht einmal die Tatsache, dass das ICC Vorbild für neue Kongresszentren auf allen Kontinenten ist, scheint zu zählen. Die bislang 11,1 Millionen Besucher haben das ICC in lebhafter Erinnerung, intensiver noch als viele Kongresszentren weltweit, die sie nur als weitläufig und gesichtslos erlebt haben. Das wiederum liegt an seinem „Alleinstellungsmerkmal“. (…) Die offenkundig kongresstaugliche Architekturikone nun zu einem beliebigen Ramschladen umzubauen, wäre ein Frevel, der insbesondere außerhalb Berlins auf Kopfschütteln und Unverständnis stoßen würde.” (Falk Jaeger, Architekturkritiker und -historiker)

Konzept

ICCC – INTERNATIONAL CENTER FOR CONTEMPORARY CULTURE BERLIN

Prämissen

1. Das ICC Berlin ist ein Gesamtkunstwerk, von der riesigen Aluminiumhülle bis zum Leitsystem, den Türgriffen und Garderobenhaken. Ein „innerer Abriss“ bedroht dieses Kunstwerk – die Hülle ist ohne den Inhalt wertlos. Es muss so vollständig und so originalgetreu wie möglich bewahrt bleiben.

2. Es ist gerade die einmalige innere und äußere Ästhetik, auf der unsere Neuausrichtung der Nutzung des ICC basiert. Sie gibt dem Gebäude bis heute eine originelle und unverwechselbare Identität. Die Wertschätzung, die solchen besonderen Räumen gerade von der Kultur- und Kreativwirtschaft entgegen gebracht wird, ist ein riesiges Potenzial.

3. Gleichzeitig muss das ICC dringend aktualisiert und auch wirtschaftlich saniert werden. Eine intelligente, räumliche Kleinteiligkeit muss formuliert werden. Die dringend nötige technische Sanierung muss genutzt werden, um zusätzliche Flächen im Innern zu gewinnen und räumliche Schwächen (wie z.B. fehlende Abtrennungsmöglichkeiten) zu beseitigen, ohne grundsätzlich den Charakter des Raumschiffs zu verlieren. Das ICC kann mit klugen Ein- und Umbauten zu einem neuen Raumschiff mit zeitgemäßem Komfortlevel weiterentwickelt werden. Geplante und nie realisierte Module wie ein Hotel sind eine konsequente Erweiterung der ursprünglichen Gedanken.

4. Nicht konservieren – sondern optimieren. Alle Eingriffe müssen im Geiste der Originalarchitektur geschehen; mit demselben Erfindungsreichtum und derselben Innovationskraft.

5. Die Foyer- und Zwischenzonen werden oft als Makel beschrieben. Aber sie sind ein Kern dieser perfekt gestalteten Dialogmaschine. Nicht nur die Präsentation, sondern vor allem die freie, zufällige Kommunikation ist von Anfang an Teil der räumlichen Strukturen im ICC. Das ist weltweit einmalig und deckt sich mit neuesten Konzepten, wie Arbeitswelten insbesondere in der Kreativ- und Kulturwirtschaft heute zu denken sind. Dialog und Austausch sind heute in allen Bereichen und zwischen allen Disziplinen wichtiger denn je. Aus diesen Ankerpunkten wird ein Nachnutzungskonzept entwickelt, mit dem wir das ICC in großen Teilen (innen und außen) bewahren, es gleichzeitig aktualisieren, modernisieren und thematisch sowie wirtschaftlich neu ausrichten.

Was ist contemporary culture?

Flexibel und spontan. Zeitgeist. Das ICCC muss ein dynamischer Ort für die Arbeit an den Schnittstellen von Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft, Alltagskultur, Medien und Wirtschaft sein. Die räumliche Struktur ist auf Flexibilität ausgelegt. Das wird vom ICCC künftig auch inhaltlich erwartet. Es geht nicht darum, jetzt Inhalte für die kommenden 20 oder 30 Jahre zu definieren. Erhebliche Entwicklungspotenziale liegen insbesondere in den Untergeschossen und im Bereich des heutigen Parkhauses, deren Umgestaltung und Umnutzung der Gesamtwirkung des ICCC nutzen wird. Hier werden dauerhafte Nutzungen angesiedelt, die mit dem neuen Profil des ICCC räumliche und inhaltliche Synergien bilden und für ein wirtschaftlich tragfähiges Nutzungskonzept sorgen.

Profil und Betreibergesellschaft

Das ICCC bekommt eine eigene Betreibergesellschaft mit einer Doppelspitze: ein*e künstlerische*r und ein*e kaufmännische*r Direktor*in werden gemeinsam die thematische Ausrichtung und Wirtschaftlichkeit des Projektes steuern. Ein 12-köpfiger, internationaler Beirat vernetzt das ICCC regional, überregional und international in der Kunst-, Kultur- und Kreativszene, in Kombination mit Kreativwirtschaft, Lehre und Forschung. So wird bei hoher Flexibilität eine starke Auslastung mit thematisch passenden Veranstaltungen dieses einmaligen Ortes gesichert. Eine Mischung aus Ankermietern und temporären Nutzern kann und muss das Haus auf gleichbleibend höchstem Niveau nachhaltig tragen können – ohne Kompromisse.

Fest & flexibel

Neben festen “Ankermietern“ die das thematische Profil des ICCC stärken und definieren, werden Räume und Flächen – auch in Kooperation mit der Messe Berlin – für temporäre Veranstaltungen freigehalten. Das Konzept sollte so flexibel sein, dass auch spezielle Raumszenarien für kleinere Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden können. Vorstellbar sind dauerhafte und temporäre Arbeitsplätze, Ausstellungs- und Vorführräume für Film-, Video- und Fotokunst, interdisziplinäre Forschung und Labore im Bereich Programming, Netzkultur, Gaming, Hybrid Publishing, elektronische Musik, zeitbasierte Medien, Moving Images, etc.

24/7

Das ICCC wird ein lebendiges, offenes, zukunftsorientiertes Zentrum mit einer vielfältigen, aber thematisch orientierten Ausrichtung, die vielen Nutzern und Mietern den Austausch miteinander und untereinander ermöglicht. Die dauerhaften Nutzer sollen möglichst so ausgewählt werden, dass mit deren Programmen immer wieder auch die offenen Bereiche des Gebäudes zeitweise aktiviert werden. Eine Kongressnutzung im Zusammenspiel mit dem Messegelände und der Messe Berlin bleibt ausdrücklich erhalten. Hier kommen internationale Summer Schools, Think Tanks, Forschungsinstitute zusammen; hier finden TED- oder DLD-Konferenzen den perfekten Ort für ihre zukunftsorientierten Konferenzen; hier diskutiert und experimentiert man neue Kunstformen, neue Medien, Digital Dulture und Heritage; hier werden neue Infrastrukturen der Stadt 2.0 erprobt und neue Demokratieformen; ebenso verorten sich hier Festivals für elektronische Musik, neue Medien und Kunst. Internationale Künstler in der Stadt treffen hier Kunstkritiker, Sammler und Kuratoren, diskutieren Tendenzen und Praxis des Kunstbetriebs. Großformatige, raumgreifende, experimentelle Installationen werden im ICCC getestet, diskutiert und bewertet. Besondere Sammlungsprofile finden im ICCC ihr Lager und bleiben für die Stadt durch kuratiertes „Öffnen“ im Schaulager für Berlin sichtbar.

Standort und Vernetzung

Das ICCC bleibt ein direkter (An-)Spielort für die Messe Berlin, deren dichtes Programm trotz des Kongresszentrums City Cube auch zukünftig zusätzliche Raumbedarfe haben wird. Eine intelligente und thematisch abgestimmte Zusammenarbeit (für Veranstaltungen, Ausstellungen und temporäre Büroflächenvermietung) ist integraler Bestandteil des ICCC. Der Standort ist eine extrem wichtige Verbindungsstelle – daher muss das Ziel in der Vernetzung mit seinem direkten Umfeld liegen: der SFB, die BMW Welt, die City West, der Ku’damm, der Theodor-Heuss-Platz, der TU- und UdK-Campus sowie der geplante Zukunftsstandort Tegel. Als Ikone und Dialogmaschine kann das ICCC Entwicklungen lenken. Die Galerien- und Kunstszene hat längst begonnen, auch den Westteil Charlottenburgs zu verändern. Dieser Wandel wird sich fortsetzen, und mit den steigenden Mieten in den Zentrumsbezirken werden insbesondere die Räume entlang der Ringbahn interessant. Veränderungen am ZOB, am Autobahndreieck selbst und auf dem Gelände des Güterbahnhofs Grunewald sollten genutzt werden.

Die Neue Nutzung

Zone 1: eine Dialogmaschine und ein Performance-Center: Kongress- und Konferenzbetrieb, nebst Nutzung und Bespielung durch Konzerte, Theater, Tanz, Kino, Filmproduktion, Vorträgen, Lesungen, Testscreenings.

Zone 2: eine Produktions- und Labormaschine für künstlerische Ideen und Innovation: Ateliers, Studios, Co-Working Spaces und flexible Meeting Lounges – lebendig und dynamisch bespielt wie Berlin selbst!

Zone 3: ein offener Boulevard mit kleinen Showrooms (als Kleinstgalerien bespielte Vitrinen) und Cafés.

Zone 4: ein auf die unterschiedlichen Nutzer und Besucher angepasstes Gastronomiekonzept aus Restaurant, Kantine (inkl. Catering für Großveranstaltungen), Bars und Cafés: alles auf drei Etagen (inkl. der Eingangsetage).

Zone 5: Kunstschaulager, Art Storage (“bounded space”, Zollfreilager) und Distribution für Kunstsammlungen mit Black und White Cube (Ausstellungs- und Testinstallationen, Präsentations- und Vorführräume) sowie Lager-/Archivanlage für weitere Mieter im Hause.

Zone 6: Labs, Workshops und Learning Facilities: Experimentierbereich für externe Hochschulen und Summer Schools.

Zone 7: Hotelkomplex mit Dachterrasse, Spa Facilities und integrierten Apartments (temporäres Wohnen) mit direktem sowie fließendem Übergang ins Hauptgebäude.

Zone 8: Arbeitsateliers für internationale Stipendiaten und Künstlerresidenzen.

Zone 9: Integrierter und auf die Nutzer und Besucher des ICCC angepasster Fachhandel für Kunst- und Kreativszene (Ton, Film, Foto, Video, Kunst und Design).

Zone 10: Parkhaus und interne Erschließung und Verkehrsführung.

Zone 11: Vorplatz mit thematischer Landschaftsarchitektur und –gestaltung: Installationen, Skulpturengarten und Freibereich für Restaurants und urban gardening.

INITIATOREN

WIR sind Bureau N – Silke Neumann; Julia Albani; Something Fantastic – Julia Schubert, Elena Schütz, Leo Streich und Florian Heilmeyer.

Das Konzept “ICCC” ist 2014 für die Ausschreibung zur Entwicklung eines Nutzungs-, Sanierungs- und Finanzierungskonzeptes für das Internationale Congress Centrum Berlin (ICC) entstanden, ausgeschrieben vom Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung. Unser Auftraggeber war ein privater Investor. Nun wird es Zeit, fast ein Jahrzehnt später, dass die Diskussion rund um das ICC wieder an Fahrt aufnimmt und ein Dialog zwischen Politik, Akteuren und Investoren neu belebt wird.

Wir danken den Fotograf*innen Nuno Cera, Noshe, Zara Pfeifer und Elena Schütz für die großzügige Bereitstellung ihres Bildmaterials.

Konzept und Koordination 2014: BUREAU N, Silke Neumann, Julia Albani

Berater: Florian Heilmeyer, Maike Cruse, Something Fantastic (Elena Schütz, Leonard Streich, Julian Schubert), Zara Pfeifer, Caroline Wolf

Externe Experten: Philipp Albers, Alain Arnaudet, Stephan Balzer, Christian Bräuer, Ralf Broeckmann, Carson Chan, Jan Edler, Tim Edler, Holm Friebe, Konstantin Grcic, Martin Heller, Andreas Krüger, Sophie Lovell, Niklas Maak, Johannes Odenthal, Fred Pawlitzki, Christian Posthofen, Christiane Riedel, Florian Schmidt, Ursulina Schüler-Witte

Redaktion: Julia Albani, Florian Heilmeyer, Assistenz: Tamara Regosz

Art Direction: Something Fantastic

Wichtiger Hinweis: Der Bericht wurde auf Basis der selbstständig recherchierten und eigens produzierten Informationen erstellt. Bisher nicht zur Verfügung stehende Materialien, die im Rahmen des Investorenwettbewerbs angekündigt wurden (Pläne, Studien, Analysen, Fotos, etc.) konnten nicht konsultiert werden. Zukünftige Konsequenzen und Rückschlüsse sowie Folgerungen aus diesem noch zu sichtenden Material können ggf. den im vorliegenden Bericht angestellten Prämissen und formulierten Empfehlungen widersprechen und diese korrigieren.

 

Kontakt: 
hello@iccc.berlin

 

 

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